Wahlkampf-Radar Mecklenburg-Vorpommern

Erhebungsgrundsätze & Methodengrenzen

Methodischer Ansatz

Der Tracker läuft ohne redaktionellen Eingriff. Genau deshalb muss nachvollziehbar sein, wie er entscheidet. Diese Seite beschreibt die Regeln, die für jede Auswertung der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gelten — einschließlich der Regeln, die etwas verbieten.

Vier Quellenebenen, die nie vermischt werden

Alles, was der Tracker liest, gehört zu genau einer von vier Ebenen. Diese Trennung ist keine Formalie, sondern die zentrale Vorkehrung gegen eine bestimmte Verzerrung: Die einzige Quelle mit echtem Stundenvolumen in Mecklenburg-Vorpommern wäre die Kommunikation von Landesregierung und Ministerien. Würde sie ungewichtet mitgezählt, bestünde der Korpus überwiegend aus Regierungsstimme, und die regierenden Parteien sähen automatisch aktiver aus.

Ebene 1Analysekorpus

Was die Parteien selbst veröffentlichen. Nur diese Ebene erzeugt Parteianteile.

Ebene 2Medienresonanz

Was Redaktionen schreiben. Wird nie in denselben Korpus wie Ebene 1 gerechnet.

Ebene 3Strukturraster

Wahlkreise, Kandidaturen, Wahlprogramme. Feste Rahmendaten, keine Tageskommunikation.

Ebene 4Taktgeber

Termine, Aufmerksamkeitssignale, amtliche Meldungen. Liefert Zeitpunkte, nie Parteianteile.

Die Themenliste ist abgeleitet, nicht erfunden

Die sechs Themen, das siebte Sachthema „Kultur, Medien und Sport“ plus die Restkategorie stammen aus den Wahlprogrammen aller sieben Parteien, bezogen über die offene Schnittstelle von abgeordnetenwatch.de, und wurden gegen die 38 Thesen des Wahl-O-Mat Mecklenburg-Vorpommern 2026 gegengeprüft. Jedes Sachthema ist in festgelegte Unterthemen gegliedert, die die Klassifikation jeder Nennung zusätzlich zuweist — die Ansicht zeigt sie, sobald der Bestand erfasst ist.

Nr.Thema
1Wohnen, Mieten und Bauen
2Verkehr, Klima und Umwelt
3Innere Sicherheit, Justiz und Rechtsstaat
4Migration, Integration und Vielfalt
5Soziales, Gesundheit und Bildung
6Wirtschaft, Arbeit und Haushalt
8Kultur, Medien und Sport
7Sonstiges — Verwaltung, Wahlkampf-Prozess, Bundes- und Außenpolitik

Die Nummer 8 steht in der Anzeige vor der 7, weil sie ein Sachthema ist und Sonstiges die Restkategorie bleibt. Die Erfassung für Mecklenburg-Vorpommern startet mit genau dieser Gliederung — es gibt keinen Altbestand unter einer älteren Themenliste.

Was zu jedem Text erhoben wird

MerkmalWerte
Hauptthemaeines der sieben Themen oder Sonstiges; dazu das Unterthema innerhalb des Sachthemas
Nebenthemadieselbe Liste, nur wenn eigenständig behandelt - erzeugt dann einen eigenen Eintrag
Sprechhandlungfordern · ankündigen · kritisieren · verteidigen · informieren
Angriffszieleine oder mehere Parteien, Landesregierung, Bund, sonstige — nur bei „kritisieren"
Parteibezugbei Medientexten: Hauptgegenstand oder Randerwähnung
Kernaussageein Satz in eigenen Worten, ohne wörtliches Zitat
Textstelleder Satz des Texts, der die Zuordnung trägt, wörtlich — Beleg für die Zuordnung, im Datenexport ausgewiesen
Programmbezuggedeckt · nicht enthalten · abweichend, mit Belegpunkt
Narrativfrei formuliert: Diagnose, Verursacher, Lösung

„Sprechhandlung" statt „Tonalität": Handlungen sind beschreibbar, Stimmungen sind Auslegung. Die Kernaussage ist eine Paraphrase in eigenen Worten; die wörtliche Textstelle steht daneben als nachprüfbarer Beleg der Zuordnung.

Wie geprüft wird — und was nicht behauptet wird

Die Zuordnung jedes Texts übernimmt ein Sprachmodell nach einer feststehenden Anweisung. Der Tracker behauptet an keiner Stelle eine gemessene Trefferquote — es gibt keine Genauigkeitsmessung, und diese Seite behauptet keine.

Damit die Zuordnung dennoch nachprüfbar bleibt, zeigt das Werkzeug auf Knopfdruck ein zufälliges Dokument mit allen vergebenen Merkmalen. Bis zum Start der MV-Erhebung sind die Beispiele darunter fiktive Musterbeispiele, kein erfasster Bestand:

Zwei Dinge werden absichtlich eingefroren

Die Anweisung an das Sprachmodell. Jede Änderung daran macht alles vorher Erfasste unvergleichbar. Sie steht seit dem Start der MV-Erfassung fest. Wird eine Änderung unvermeidbar, wird der gesamte Bestand neu erfasst und der Bruch dokumentiert — eine still nachgeschärfte Anweisung wäre der Fehler, der eine Zeitreihe wertlos macht, ohne dass es jemand merkt.

Die Suchabfragen. Sie sind hochempfindlich: Schon eine kleine Umformulierung kann aus Dutzenden Treffern exakt null machen. Sie wurden getestet, dokumentiert und dann festgeschrieben.

Rechenregeln

Kleinste Einheit ist nicht das Dokument, sondern das Paar aus Partei und Thema. Ein Medienbericht kann Stimmen mehrerer Parteien zu mehreren Themen enthalten und liefert dann mehrere Einträge. Daraus folgt zwingend:

  • Verglichen werden Anteile, nie absolute Stückzahlen.
  • Auswertung über die Gesamtlaufzeit, Verläufe im gleitenden Fenster von 14 Tagen.
  • Zellen mit weniger als zehn Einträgen werden nicht interpretiert und sind sichtbar gekennzeichnet — in den Diagrammen mit dem Kürzel n<10, wobei n für die Zahl der Einträge steht.
  • Jede Zahl trägt ihre Fallzahl mit sich. Keine Signifikanztests — bei dieser Datenlage wären sie Zierrat.
  • Fällt eine Quelle aus, wird die Lücke ausgewiesen, nicht geschätzt.
Ein offen benannter Nachteil

Die Parteien bringen unterschiedlich viele Kanäle in den Korpus ein: CDU und Grüne stellen Landesverband und Fraktion, die Linke zwei Feeds ihres Landesverbands, die SPD tritt mit ihrem Fraktionskanal an, weil der Landesverbandsfeed eingefroren ist, die AfD-Fraktion liefert eine Mitteilungsliste statt eines Feeds, und für die FDP fehlt eine maschinenlesbare Quelle derzeit ganz. Diese Unterschiede bleiben drin, sind in den Daten nach Herkunft ausgewiesen und werden hier benannt — sie zu verstecken wäre genau die Kaschierung, die dieses Projekt sich verbietet. Zusätzliches Volumen verzerrt Anteilsrechnungen nur dann, wenn die Themenmischung einer Quelle systematisch von der des Landesverbands abweicht, nicht schon durch die bloße Menge.

Was der Tracker ausdrücklich nicht leistet

Diese Liste steht nicht aus Bescheidenheit hier. Jede Zeile räumt eine Erwartung ab, die sonst zwangsläufig entsteht — und deren Enttäuschung dem Projekt mehr schaden würde als jede Lücke.

  • Kein Faktencheck. Gemessen wird, was gesagt wird, nicht ob es stimmt.
  • Keine Wirkungsmessung. Kommunikationsdaten und Umfragewerte stehen nebeneinander, nie in einem Erklärungsverhältnis.