Vier Quellenebenen, die nie vermischt werden
Alles, was der Tracker liest, gehört zu genau einer von vier Ebenen. Diese Trennung ist keine Formalie, sondern die zentrale Vorkehrung gegen eine bestimmte Verzerrung: Die einzige Quelle mit echtem Stundenvolumen in Berlin ist die Kommunikation von Senat und Behörden. Würde sie ungewichtet mitgezählt, bestünde der Korpus überwiegend aus Regierungsstimme, und die regierenden Parteien sähen automatisch aktiver aus.
Was die Parteien selbst veröffentlichen. Nur diese Ebene erzeugt Parteianteile.
Was Redaktionen schreiben. Wird nie in denselben Korpus wie Ebene 1 gerechnet.
Wahlkreise, Kandidaturen, Wahlprogramme. Feste Rahmendaten, keine Tageskommunikation.
Termine, Aufmerksamkeitssignale, amtliche Meldungen. Liefert Zeitpunkte, nie Parteianteile.
Die Themenliste ist abgeleitet, nicht erfunden
Die sechs Themen plus Restkategorie stammen aus den Wahlprogrammen aller sieben Parteien und wurden gegen die 38 Thesen des Wahl-O-Mat gegengeprüft. Das kostet Zeit und verhindert den naheliegendsten Vorwurf gegen solche Projekte: dass die Kategorien so geschnitten wurden, dass ein bestimmtes Ergebnis herauskommt.
| Nr. | Thema |
|---|---|
| 1 | Wohnen, Mieten und Bauen |
| 2 | Verkehr, Klima und Umwelt |
| 3 | Innere Sicherheit, Justiz und Rechtsstaat |
| 4 | Migration, Integration und Vielfalt |
| 5 | Soziales, Gesundheit und Bildung |
| 6 | Wirtschaft, Arbeit und Haushalt |
| 7 | Sonstiges — Kultur, Sport, Verwaltung, Bundes- und Außenpolitik |
Was zu jedem Text erhoben wird
| Merkmal | Werte |
|---|---|
| Hauptthema | eines der sechs Themen oder Sonstiges |
| Nebenthema | dieselbe Liste, nur wenn eigenständig behandelt — erzeugt dann einen eigenen Eintrag |
| Sprechhandlung | fordern · ankündigen · kritisieren · verteidigen · informieren |
| Angriffsziel | eine oder mehere Parteien, Senat, Bund, sonstige — nur bei „kritisieren" |
| Parteibezug | bei Medientexten: Hauptgegenstand oder Randerwähnung |
| Kernaussage | ein Satz in eigenen Worten, ohne wörtliches Zitat |
| Programmbezug | gedeckt · nicht enthalten · abweichend, mit Belegpunkt |
| Narrativ | frei formuliert: Diagnose, Verursacher, Lösung |
„Sprechhandlung" statt „Tonalität": Handlungen sind beschreibbar, Stimmungen sind Auslegung. Und ausdrücklich keine wörtlichen Zitate — jedes Zitat wäre ein eigenes urheberrechtliches Risiko, und die Kernaussage lässt sich in eigenen Worten genauso gut fassen.
Wie geprüft wird — und was nicht behauptet wird
Ein früherer Entwurf sah 200 von Hand codierte Dokumente und eine gemessene Übereinstimmung zweier Codierer als Messlatte vor. Beides ist entfallen, weil es in der verbleibenden Zeit nicht zu leisten war. Das steht hier, statt stillschweigend zu verschwinden.
An seiner Stelle steht eine Stichprobenkontrolle: 50 Dokumente einmal nach dem ersten Durchlauf, danach wöchentlich 30 weitere, die Hälfte davon aus den Fällen, die das Verfahren selbst als unsicher markiert hat. Das prüft, ob die Zuordnung plausibel arbeitet. Es ist keine Genauigkeitsmessung, und der Tracker behauptet an keiner Stelle eine gemessene Trefferquote.
Damit die Zuordnung dennoch nachprüfbar bleibt, zeigt das Werkzeug auf Knopfdruck ein zufälliges Dokument mit allen vergebenen Merkmalen:
Die Anweisung an das Sprachmodell. Jede Änderung daran macht alles vorher Erfasste unvergleichbar. Sie steht seit dem 28. August fest. Wird eine Änderung unvermeidbar, wird der gesamte Bestand neu erfasst und der Bruch dokumentiert — eine still nachgeschärfte Anweisung wäre der Fehler, der eine Zeitreihe wertlos macht, ohne dass es jemand merkt.
Die Suchabfragen. Sie sind hochempfindlich: Eine Abfrage lieferte 53 Treffer, eine scheinbar gleichwertige exakt null. Sie wurden getestet, dokumentiert und dann festgeschrieben.
Rechenregeln
Kleinste Einheit ist nicht das Dokument, sondern das Paar aus Partei und Thema. Ein Medienbericht kann Stimmen mehrerer Parteien zu mehreren Themen enthalten und liefert dann mehrere Einträge. Daraus folgt zwingend:
- Verglichen werden Anteile, nie absolute Stückzahlen.
- Auswertung über die Gesamtlaufzeit, Verläufe im gleitenden Fenster von 14 Tagen.
- Zellen mit weniger als zehn Einträgen werden nicht interpretiert und sind sichtbar gekennzeichnet — in den Diagrammen mit dem Kürzel
n<10, wobei n für die Zahl der Einträge steht. - Jede Zahl trägt ihre Fallzahl mit sich. Keine Signifikanztests — bei dieser Datenlage wären sie Zierrat.
- Fällt eine Quelle aus, wird die Lücke ausgewiesen, nicht geschätzt.
Für die Grünen und das BSW liegt zusätzlich zum Landesverband der Kanal des jeweiligen Spitzenkandidaten vor. CDU, Linke, AfD und FDP haben kein Gegenstück. Die Zusatzquellen bleiben drin, sind in den Daten eigens markiert und werden hier benannt — sie zu verstecken wäre genau die Kaschierung, die dieses Projekt sich verbietet. Zusätzliches Volumen verzerrt Anteilsrechnungen nur dann, wenn die Themenmischung der Zusatzquelle systematisch von der des Landesverbands abweicht, nicht schon durch die bloße Menge.
Was der Tracker ausdrücklich nicht leistet
Diese Liste steht nicht aus Bescheidenheit hier. Jede Zeile räumt eine Erwartung ab, die sonst zwangsläufig entsteht — und deren Enttäuschung dem Projekt mehr schaden würde als jede Lücke.
- Kein Faktencheck. Gemessen wird, was gesagt wird, nicht ob es stimmt.
- Keine Wirkungsmessung. Kommunikationsdaten und Umfragewerte stehen nebeneinander, nie in einem Erklärungsverhältnis.