Wahlkampf-Radar

Auftakt: Abgeordnetenhauswahl Berlin, 20. September 2026

Wahlkampfradar

Ein Wahlkampftracker, der politische Angriffe, programmatische Treue der Kandidat:innen, Agendasetting, wahlkampfbezogene Übergriffe und anderes in einem automatischen Dashboard auswertet. Alle Quellen sind frei zugänglich, urheberrechtskonform mithilfe von KI ausgewertet. Alle Ansichten und die dahinterliegenden Datenpunkte sind frei zugänglich und können direkt heruntergeladen werden.

Funktionsweise

Vier Schritte, die automatisch ablaufen

Die Wahl der Datenquellen, des methodischen Vorgehens und der Berechnungsgrundlagen wurde einmal getroffen und danach automatisch ausgeführt.

Sammeln

Stündlich werden die Pressekanäle der Parteien, ein Nachrichtenindex, öffentliche Kandidatendaten, Aufmerksamkeitssignale und Termine abgerufen. Doppelte Meldungen werden über eine Prüfsumme erkannt und verworfen.

Einordnen

Jeder Text wird einem von sieben Themen zugeordnet, dazu kommen die Art der Äußerung, ein etwaiges Angriffsziel und der Bezug zum Wahlprogramm. Diese Zuordnung erledigt ein Sprachmodell nach einer festgeschriebenen Anweisung.

Auswerten

Aus den Zuordnungen entstehen sechzehn Auswertungen — Anteile, Verläufe, Netzwerke. Fallzahlen unter zehn werden nicht interpretiert, Quellenausfälle als Lücke ausgewiesen und nie geschätzt.

Zeigen

Die Ergebnisse landen direkt auf der öffentlichen Seite, mit Datenstand, benannten Quellen und den Grenzen jeder einzelnen Auswertung. Nichts wird vorher redaktionell geglättet.

Was es beantwortet

Sechs Fragen an einen Wahlkampf

Die Auswertungen sind nicht nach Technik sortiert, sondern nach der Frage, auf die sie antworten. Jede Frage bildet ein Kapitel mit zwei bis vier Darstellungen.

Erhebungsmethoden

Quellen und Datenanalyse

Was hier erscheint, entsteht in zwei Schritten: erst das Sammeln, dann das Auswerten. Dieser Abschnitt gibt den Überblick — welche Quellen einfließen, wo wir selbst Grenzen ziehen und nach welchen Grundsätzen die Texte ausgewertet werden. Wie jede einzelne Darstellung gerechnet wird, steht direkt bei ihr, zusammen mit Datenstand, Quellen und den Grenzen, die sie hat.

Die Quellen

  • Parteikommunikation. Pressestellen und offizielle Kanäle der Parteien und Fraktionen, soweit sie offen zugänglich sind. Das ist der Rohstoff für Themen, Konflikte und Erzählungen.
  • Nachrichtenindex. Schlagzeilen und Trefferzahlen der Berliner Berichterstattung aus einem Suchmaschinen-Index. Gemessen wird die Resonanz — wer erwähnt wird, wie oft, in welchen Häusern — nicht der Wortlaut der Artikel.
  • Struktur und Termine. Öffentliche Kandidatendaten und Wahltermine ordnen ein, wo und wann der Wahlkampf stattfindet.
  • Aufmerksamkeit. Suchinteresse und ähnliche Signale, laufend gemessen. Für das Suchinteresse gibt es keine offizielle Schnittstelle; der Zugriff läuft über eine offen dokumentierte Bibliothek und ist an der betreffenden Auswertung benannt.

Grenzen, die wir uns setzen

  • Nutzungsregeln werden respektiert. Wer automatisierte Erhebung untersagt, wird nicht ausgelesen — eine überregionale Zeitung fehlt aus genau diesem Grund. Keine Logins, kein Umgehen technischer Sperren, keine Umwege über Dienste, die das für einen erledigen.
  • Geschlossene Plattformen bleiben außen vor. Ein großer Teil des Wahlkampfs läuft auf Plattformen, deren Regeln automatisierte Erhebung ausschließen. Das ist eine echte Lücke; sie wird benannt, statt sie zu verschweigen.
  • Lücken werden ausgewiesen, nicht geschätzt. Fällt eine Quelle aus oder liefert sie nichts, steht das an der Auswertung. Werte werden nie hochgerechnet oder ersetzt.
  • Fremddaten behalten ihre Lizenz. Umfragewerte verlangen etwa die Nennung ihres Anbieters; die Angabe steht an jeder Darstellung, die sie verwendet.
  • Rechtlicher Rahmen. Das automatisierte Auswerten offener Quellen ist über die Schranke für Text- und Datenauswertung im Urheberrecht gedeckt. Das hier ist eine Beschreibung der Praxis, keine Rechtsberatung.

Wie die Texte ausgewertet werden

  • Rohdaten bleiben Rohdaten. Gesammelt wird zunächst nur, was die Quellen liefern: jedes Dokument mit Quelle, Zeitstempel und Prüfsumme, Doppelte werden aussortiert. Die Auswertung läuft daneben und greift in den Bestand nicht ein.
  • Textmining für das Zählbare. Anteile, Verläufe und Häufungen entstehen mit einfachen, nachvollziehbaren Verfahren. Wer nachzählen will, kann es.
  • Einordnungen durch ein Sprachmodell. Thema, Art der Äußerung, Angriffsziel und Programmbezug ordnet ein LLM nach einer schriftlich festgelegten Anweisung zu. Die Anweisung ist offen und läuft unverändert über den ganzen Zeitraum; müsste sie geändert werden, würde der gesamte Bestand neu klassifiziert und der Bruch dokumentiert.
  • Erzählmuster. Ergänzend zu den Zählungen wird untersucht, welche Narrative sich durch die Kommunikation ziehen — auf der Seite der Parteien wie der Berichterstattung. Auch das übernimmt das Sprachmodell, die Vorgaben dafür liegen offen.
  • Nicht mehr behaupten, als die Zahlen hergeben. Kleine Fallzahlen bleiben uninterpretiert, Zusammenhänge werden als Beobachtung gelesen, nicht als Ursache und Wirkung. Umfragewerte erscheinen als Kontext, nie als Erklärung.

Daten und Zitieren

Daten, Downloads und Lizenz

An jeder Auswertung stehen zwei Knöpfe. PNG lädt die Darstellung als Bild herunter — beschriftet mit Titel, Quelle, Datenstand und Lizenz, damit sie auch außerhalb dieser Seite noch erklärt, was sie zeigt. CSV lädt die Zahlen dahinter als Tabelle herunter, mit Kopfzeilen, Quellenangabe und Zitiervorschlag in der Datei selbst.

Wo eine Auswertung noch mit Beispielwerten arbeitet, ist der Tabellen-Knopf abgeschaltet und das Bild sichtbar als Beispiel gekennzeichnet. Ein Bild mit erfundenen Zahlen soll diese Seite nicht als echten Befund verlassen.

Lizenz

Darstellungen, abgeleitete Zahlen und Texte stehen unter Creative Commons Namensnennung 4.0. Weiterverwendung ist ausdrücklich erwünscht — in Redaktionen, in Seminaren, in wissenschaftlichen Arbeiten, in Blogbeiträgen. Die einzige Bedingung ist die Quellenangabe. Fremddaten behalten ihre eigene Lizenz; die jeweilige Angabe steht an der betreffenden Auswertung.

So bitte zitieren
Maršić, Tomislav (2026): Wahlkampf-Radar Berlin 2026 — Automatisierter Tracker zur Abgeordnetenhauswahl. wahlkampfradar.de, Datenstand TT.MM.JJJJ.

Bei einzelnen Darstellungen bitte zusätzlich die Nummer der Auswertung nennen. Der aktuelle Datenstand steht in der Fußzeile der Auswertungsseite und in jeder herunterladbaren Datei.

Der vollständige Datensatz nach der Wahl

Am 21. September wird aus dem laufenden Tracker ein abgeschlossenes Datenprodukt: sechs Wochen Berliner Wahlkampf, durchgehend erfasst. Dann werden Themenliste, Modellanweisungen, Suchabfragen, Ausfallquoten und die aggregierten Rohdaten vollständig veröffentlicht — samt einem Text darüber, was funktioniert hat und was nicht.

Wer das macht

Ein privates Projekt, aus einem Handwerk heraus

Dr. Tomislav Maršić Senior Data Strategist, Prophet Media Intelligence
PromotionUniversity of Oxford, Computational Social Sciences, mit Auszeichnung
ThemaAuswertung von rund 40.000 Medienartikeln mit Python und Verfahren der Sprachverarbeitung
BuchMedia Capture & Corrupt Journalists, Palgrave Macmillan, 2022
ArbeitAutomatisierung fachlicher Kernprozesse mit Sprachmodellen — Prompt-Entwicklung, Antwortprüfung, Rechercheketten, automatisierte Berichte

Meine Dissertation in Oxford war im Kern dieselbe Aufgabe wie diese Seite: eine große Menge Medientexte so auswerten, dass die Kategorien nicht das Ergebnis vorwegnehmen. Damals ging es um rund 40.000 Artikel und die Frage, wie politischer Einfluss die Berichterstattung formt. Der mühsamste Teil war nie die Technik, sondern die Disziplin — Kategorien vorab festlegen, Grenzfälle dokumentieren, unbequeme Befunde stehen lassen.

Beruflich baue ich heute genau solche Ketten: Sprachmodelle, die fachliche Arbeit in den Produktivbetrieb übernehmen, mit den Prüfschritten, die dazugehören. Was in der Wissenschaft Reliabilität heißt, heißt dort Abnahmekriterium — es ist dieselbe Frage: Woher weiß man, dass die Maschine das Richtige getan hat?

Dieser Tracker verbindet beides an einem Fall, den man nicht wiederholen kann. Ein Wahlkampf läuft sechs Wochen und ist dann vorbei; verpasste Tage sind nicht nachholbar. Genau das macht ihn zum ehrlichsten Prüfstein für ein automatisiertes Verfahren: Es muss vom ersten Tag an laufen und darf danach nicht mehr angefasst werden.

Das Projekt ist privat, unabhängig, ohne Auftrag, ohne Förderung und ohne Parteibindung. Es ist zugleich eine öffentliche Arbeitsprobe — und das ist der eigentliche Grund, warum die Regeln so streng sind. Ein Methodenteil, der einen Regelbruch einräumen müsste, wäre für beide Zwecke unbrauchbar.

Auftakt und danach

Berlin ist der Anfang, nicht der Zweck

Die Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 ist der Auftakt: der erste vollständige Durchlauf unter echten Bedingungen, mit einem festen Ende und einem überprüfbaren Ergebnis. Was hier gebaut wird — die Quellenanbindung, die Themenliste, die Rechenregeln, die Grenzen — ist nicht auf Berlin zugeschnitten, sondern auf Wahlkämpfe.

Nach dem 20. September stehen zwei Dinge an: der vollständige Datensatz mit dokumentierter Methode, und ein Text darüber, welche Teile des Verfahrens tragfähig waren und welche nicht. Beides gehört zusammen. Ein Tracker, der nur zeigt, was gelungen ist, wäre eine Werbebroschüre.